Seit 1928 aus Freude am Singen

Der Lübecker Sing- und Spielkreis wurde am 4. Mai 1928 von Bruno Grusnick gegründet. Der damals junge Studienrat hatte mit einer Schar jugendlicher Menschen begonnen.

Im Mittelpunkt des Musizierens standen neben Volksliedsätzen Schütz, Lechner und die Meister der Luther-Zeit. Für den Weg und die Entwicklung des Kreises wurden von entscheidender Bedeutung Grusnicks Freundschaft mit dem Jakobi-Pastor A. W. Kühl, die Ostern 1930 zu seiner Berufung als Jakobi-Kantor führte; ferner die Berufung Hugo Distlers als Jakobi-Organist (1.1.1931). Zwischen diesen drei Männern entstand eine engste Gemeinschaft, die eine ungeahnte Hochblüte der Kirchenmusik an St. Jakobi entfaltete.Neben der alten Musik nahm das schnell wachsende Schaffen Distlers einen ständig stärkeren Raum ein. Der größte Teil seines kirchenmusikalischen Werkes fällt in seine Lübecker Jahre. Der Lübecker Sing- und Spielkreis war sein bahnbrechender Träger.An alter Musik wurde neben Schütz das Kantatenwerk Buxtehudes wieder lebendig. Die Renaissance seiner Chormusik ging, von Grusnicks Forschungen und Veröffentlichungen vorbereitet, vom Lübecker Sing- und Spielkreis in St. Jakobi aus.Einen weiteren Bereich erschloss Grusnick seinem Kreis schon in den ersten Jahren mit dem mehrchörigen Musizieren von getrennten Emporen. So erklangen vor allem Werke der beiden Gabrieli, ferner von Haßler, Praetorius und Schütz. Dieses mehrchörige Musizieren gipfelte in der von drei Emporen aufgeführten Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach in den Jahren von 1949 bis 1972. An neuerer Musik seien genannt: Motetten von Reger, David, Pepping, Hessenberg, Reda, Zillinger (auch Uraufführung seiner siebenstimmigen Messe) und Wenzel (Uraufführungen). Der Lübecker Sing- und Spielkreis wuchs im Laufe der Jahre immer weiter und gliederte sich in drei Gruppen: Erwachsene – Jugend – Kinder.

Der Kinderchor des Lübecker Sing- und Spielkreises im Jahre 1987 vor dem Dom zu Lübeck.

Wie ein roter Faden durch die Geschichte des Lübecker Sing- und Spielkreises zieht sich auch die Aufführung der Matthäus-Passion von Heinrich Schütz. Sie wurde bereits 1929 aus handgeschriebenen Noten geübt und in geschlossenem Kreise gesungen. Von 1930 bis 1972 erklang die Schütz-Passion alljährlich in der Karfreitags-Vesper von St. Jakobi. Es begab sich das Wunder, dass sich die „kleine“ Schütz-Passion durchaus neben dem weltbekannten Werk Bachs behauptete. Ohne sie war der musikalische Ablauf des Kirchenjahres in St. Jakobi / Lübeck nicht zu denken. Mit dem Ende der Amtszeit Bruno Grusnicks 1972 war auch für den Lübecker Sing- und Spielkreis das Ende seiner Zeit in St. Jakobi gekommen. Er fand – dank des Entgegenkommens des damaligen Dom-Organisten Uwe Röhl – eine neue Heimat im Lübecker Dom. Die Leitung übernahm fortan Bruno Grusnicks Ehefrau Barbara. Die Gliederung in drei Gruppen war nicht nur erforderlich aufgrund der Vielzahl der Sängerinnen und Sänger, sondern gleichermaßen zweckmäßig. In der Kindergruppe, die zuletzt regelmäßig montags in der Stresemannstr. 7 im dortigen Dom-Gemeindehaus probte, wurden Kinder schon im jungen Alter für das Singen begeistert, bis sie in den Jugendchor wechseln konnten.

Der Jugendchor, der, wie der Kammerchor auch, nun im Domgemeindehaus am Mühlendamm probte, erarbeitete sich ein eigenständiges Repertoire, ergänzte aber auch große Aufführungen des Kammerchores. Durch die zeitlich überlappende Probenzeit,Jugendchor: Freitags, 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr, Kammerchor: Freitags, 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr, waren sich Nachwuchs und „alte Hasen“ stets bekannt, was auch das Einstudieren gemeinsamer Projekte wesentlich erleichterte.

70 Jahre Lübecker Sing- und Spielkreis

Als letztes überragendes Projekt sei hier die Aufführung des Oratoriums „Der Messias“ von G. F. Händel am 4. November 1989 im Dom zu Lübeck unter Beteiligung der Chöre des Carl-Jacob-Burckhardt-Gymnasiums – alle ebenfalls unter der Leitung von Studiendirektorin a.D. Barbara Grusnick – genannt. Der Tod Bruno Grusnicks im Jahre 1992 sorgte für tiefe Betroffenheit, verdeutlichte aber auch noch einmal, welche Kraft der Gründer des Lübecker Sing- und Spielkreises im Laufe seines Lebens mobilisiert hatte: Alle Generationen von Sängern waren vertreten, um dem Verstorbenen in einer beeindruckenden Trauerfeier in der Lübecker St. Jakobi-Kirche die letzte Ehre zu erweisen. Die Kirche vermochte die vielen Menschen kaum zu fassen.

Barbara Grusnick führte den Chor bis zu seinem 70-jährigen Bestehen im Jahre 1998, das noch einmal viele Sängerinnen und Sänger aus allen Generationen an einem Festwochenende zusammenführte.

Seit Herbst 1998 liegt die Leitung des Chores in der Hand von Domorganist Hartmut Rohmeyer. Damit findet die gewachsene Bindung des Chores an den Dom auch einen personellen Ausdruck.